Misshandlungen und Morde

Die Wachleute von SS und OT ("Organisation Todt") verbreiteten im Lager eine Atmosphäre von Terror und Schrecken. Willkürliche Strafaktionen, Misshandlungen und Ermordungen waren Wesensmerkmale des nationalsozialistischen Lagersystems und auch in Hessental an der Tagesordnung. Den ersten Todesfall im Lager gab es knapp zwei Wochen nach seiner Einrichtung. Am 27. Oktober 1944 wurde Asriel Eisenberg "wegen Fluchtversuchs" erschossen.

Häufig standen Bestrafungen und Exekutionen in Zusammenhang mit Fluchtversuchen oder den Bemühungen der Häftlinge, Nahrung zu "organisieren". Im Herbst 1944 wurde ein Häftling wegen eines Apfels, den man bei ihm gefunden hatte, fast zu Tode geprügelt, dann einen Tag lang zwischen den Drahtverhau des Lagers gestellt und schließlich erschossen.

Die Bestrafungen wurden meist während der Appelle auf dem Lagerplatz durchgeführt. Mendel Gutt, damals mit 15 Jahren jüngster Häftling in Hessental, erhielt Prügel wegen des Anbettelns einer Frau um Lebensmittel: "Beim Appell hat man mich rausgerufen: Häftling 1087. Und dann gab‘s 25, 50 – manche haben überlebt, manche nicht."

Auch bei den Arbeitskommandos kam es zu Ermordungen, nachgewiesen vor allem für das Waldkommando im Einkornwald. Tötungen von Häftlingen geschahen zum Teil in aller Öffentlichkeit. Vor der Gaststätte Berger mitten in Hessental wurde ein Häftling erschossen, der sich bereitgelegte Kartoffeln nehmen wollte. Seine Leiche blieb einen Tag lang zur Abschreckung mitten im Ort liegen.

Die Toten des Hessentaler Lagers, mindestens 182 Häftlinge, brachte ein Beerdigungskommando auf einem ausgeliehenen Mistwagen zum Steinbacher Judenfriedhof. Dort setzte man sie in Massengräbern bei. In einem Fall kam es dabei zu der Erschießung eines Häftlings auf dem Friedhof.

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