Ernährung und Gesundheit

Die den Häftlingen abgezwungene Arbeitsleistung stand in keinem Verhältnis zu ihrer völlig unzureichenden Ernährung und ihrer dürftigen Bekleidung. Dadurch wurde auch der Arbeitseinsatz der KZ-Häftlinge stark beeinträchtigt. Täglich gab es Ausfälle wegen Krankheit und totaler Erschöpfung.

Hunger war das Hauptproblem der Häftlinge. Nach den Berechnungen des Lagerarztes Dr. Fenigstein betrug der Kalorienwert der an die Häftlinge verteilten Rationen nur 500 bis 700 pro Tag – und das bei schwerer körperlicher Arbeit in der kalten Jahreszeit. Mangelkrankheiten wie Ruhr gehörten zum Lageralltag. Der Beschaffung zusätzlicher Lebensmittel galt denn auch das Hauptbemühen der Häftlinge. Unbeschreibliche Szenen spielten sich ab, wenn sich die ausgemergelten, halb verhungerten Menschen auf alles Essbare am Wegrand, auch auf Abfälle stürzten. In einigen Fällen versuchten Hessentaler Bürgerinnen und Bürger zu helfen, indem sie Äpfel oder Kartoffeln an den Marschwegen der Häftlinge bereitlegten. Nicht selten führte die "Organisation" von Lebensmitteln zu schweren Bestrafungen der dabei ertappten Häftlinge, bis hin zu brutalen Ermordungen.

Die katastrophale Ernährungssituation und die unhaltbaren sanitären Zustände führten im Februar 1945 im Lager zum Ausbruch einer Typhusepidemie. An ihr erkrankten drei Viertel der Häftlinge. Das Lager wurde unter Quarantäne gestellt und eine aus Sicht der Häftlinge sehr brutale Entlausungsaktion durchgeführt. Häftlinge berichteten, dass sie dazu 24 Stunden lang nackt auf dem Appellplatz stehen mussten. Der Epidemie fielen mehr als 100 Häftlinge zum Opfer.

Die Bedingungen im Lager Hessental zeigen in bedrückender Weise das nationalsozialistische Prinzip der "Vernichtung durch Arbeit": Den Häftlingen wurde mit brutalsten Mitteln bei einem Minimum an Ernährung, Kleidung und sanitärer Versorgung ein Maximum an Arbeitsleistung abgepresst. Unzählige Häftlinge fanden unter diesen Bedingungen den Tod.

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