Die Reichsbahn

Die Errichtung und die Aufrechterhaltung des nationalsozialistischen Lagersystems wäre ohne den Einsatz und die Beteiligung der Reichsbahn undenkbar gewesen. Sie lieferte nicht nur die Logistik für den Transport der europäischen Juden in die Vernichtungslager des Ostens, sondern spielte auch eine maßgebliche Rolle bei der Einrichtung kleinerer KZ-Arbeitslager, die in den letzten Kriegsjahren zu Hunderten in der Nähe von Rüstungsbetrieben entstanden.

Die Lage des Hessentaler Lagers in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof macht die Bedeutung der Reichsbahn für das hiesige Lager auf den ersten Blick offenkundig. Bis vor wenigen Jahren führte ein Gleisanschluss direkt auf das ehemalige Lagergelände. Auf ihm war 1944/45 der An- und Abtransport der Hessentaler KZ-Häftlinge erfolgt.

In den Beschreibungen überlebender Häftlinge erscheint die häufig tagelange Fahrt in den Viehwaggons der Reichsbahn als ein Alptraum. In den überfüllten und verschlossenen Wagen gab es für die Menschen weder ausreichend Luft noch Essen oder Wasser. Die kleinen Fenster der Güterwagen waren verplombt oder mit Stacheldraht bespannt, um die Flucht aus den Zügen zu verhindern. Bewaffnete Begleitmannschaften erschossen jeden, der versuchte, aus dem fahrenden Zug zu springen. Im Sommer war es in den Wagen unerträglich heiß, im Winter eiskalt. Viele der auf diese Weise transportierten Häftlinge gingen elend zugrunde.
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Die bedeutende Rolle der Reichsbahn für das Hessentaler Lager wird noch einmal offenkundig bei seiner Auflösung Anfang April 1945. Der Bahnhof Hessental war nicht nur Ausgangspunkt für die Evakuierung des Hessentaler Lagers, sondern auch wichtige Durchgangsstation für Teile der Evakuierungsmärsche aus den Lagern Kochendorf und Neckarelz.


WS SW

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